Einsätze auf dem Rhein fordern den Feuerwehrleuten aus Brühl weit mehr ab als die klassische Brandbekämpfung an Land. Um im Ernstfall Menschenleben zu retten oder technische Hilfe zu leisten, benötigen die Einsatzkräfte eine spezialisierte Ausbildung: den amtlichen Berechtigungsschein zum Führen von Feuerwehrbooten. Wer ein solches Mehrzweckboot der Feuerwehr steuern möchte, dem reicht ein normaler Sportbootführerschein Binnen nicht aus. Obwohl der amtliche Berechtigungsschein rein rechtlich auf den Grundlagen des zivilen Binnenscheins aufbaut, gehen die Anforderungen in der Praxis weit darüber hinaus. Die Ausbildung verbindet klassisches seemännisches Handwerk mit hochspezialisierter Einsatztaktik.
Mehr als nur Navigieren
Neben den Standardthemen wie z.B. Vorfahrtsregeln, Wetterkunde, Knotentechnik und vieles mehr, müssen die angehenden Bootsführer der Feuerwehr Brühl tiefgehendes feuerwehrspezifisches Wissen nachweisen. Dazu gehören zum Beispiel:
Einsatztaktische Manöver: Sicheres Heranfahren an in Not geratene oder manövrierunfähige Schiffe und Boote.
Technische Hilfeleistung: bei Umweltalarmen auf der Bundeswasserstraße Rhein
Personenrettung: Das koordinierte Aufnehmen von im Wasser treibenden Personen über die Bugklappe oder die Bordwand.
Unsichtiges Wetter: Das Fahren auf dem Wasser unter extremen Bedingungen.
Heimische Gewässer im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt der Ausbildung ist die vertiefende Revierkunde. Während zivile Bootsführer oft wechselnde Gewässer befahren, müssen Feuerwehrleute ihr eigenes Einsatzgebiet im Schlaf kennen. Jede Untiefe, jede Strömungsumkehr an Brückenpfeilern. Alle Slipstellen für das Zu-Wasser-Lassen der Boote werden intensiv studiert. Nur wer die lokalen Tücken des Flusses genau kennt, kann auch bei Nacht, Nebel oder Hochwasser sicher navigieren. Mit dem erfolgreichen Abschluss der anspruchsvollen Prüfung in Theorie und Praxis stellt die Feuerwehr Brühl sicher, dass ihre Crews auch auf dem unberechenbaren Element Wasser schnell, professionell und vor allem unfallfrei Hilfe leisten können. Bis dahin dauert es aber noch etwas. Der Lehrgang startete letztes Wochenende und wird jetzt mit der Fahrpraxis fortgesetzt.
Wir berichten in loser Reihenfolge.